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Gaslighting ist vom Merriam-Webster Wörterbuch zum Wort des Jahres gewählt worden. Mir fehlt die deutsche Übersetzung dafür. Was ist Gaslighting, Selbstleugnung?  Der behaglicher Versuch Deiner Mitmenschen Dir klar zu machen: der sich verbreitende  Wahnsinn ist in Wahrheit Normalität und das einzige Problem auf diesem Planeten bist Du.

Vor diesem Hintergrund geht meine lesereise weiter kreuz und quer durch Deutschland: 30.11.- Baunatal, 01. 12. Rostock, 02.12. Hannover, 03.12. Soest, 04.12. Celle, 05.12. Wolfsburg. Wir sehen uns!


Weihnachten auf Ukrainisch. Warum?Unsere traditionelle Veranstaltung in der Volksbühne findet dieses Jahr am 24. Dezember statt, mit Lesung und Disko. Alle sind willkommen.

Weihnachten auf Ukrainisch. Warum?Unsere traditionelle veranstaltung in der Volksbühne findet dieses Jahr am 24. Dezember statt, mit Lesung und Disko. Alle sind willkommen.

Wladimir Kaminer

Heute  · 1 min read

Solange die russische Armee in dem Nachbarland Ukraine Kriegsverbrechen verübt, habe ich keine Lust auf russische Musik und habe meine Tanzveranstaltung Russendisko  in Ukrainedisko unbenannt.

An dem Programm hat sich allerdings nicht viel verändert, denn wir hatten schon immer viele ukrainische Bands auf der Playliste  

Das ganze Jahr diskutierten wir bei einem Aperol Spritz mit kompostierbarem nachhaltigen Biostrohhalm, woran wir letzten Endes untergehen werden, am ökologischen Kollaps, an falscher Ernährung, an der schlechten Regierung, am Personalmangel, an den Coronafolgen oder an dem sich in den Köpfen und auf dem Planeten ausbreitenden Krieg. Die Untergangsmöglichkeiten schienen an ihrer Diversität nicht zu übertreffen. Können überhaupt Künstler, Kulturschaffende die verfahrene Situation auf dem Planeten ändern? Darf Kunst bis zum letzten Tag unpolitisch bleiben? Vielleicht braucht man die Kunst auf der Titanic gar nicht? Die Antwort auf alle drei Fragen ist Nein. Die Kunst kann zwar das Volk nicht davon abhalten in eine Kloake zu springen, aber sie gibt den Menschen eine Chance, sich zu wiegen, zu schämen, aufzuregen und sich zu empören. Nur durch die Kunst können wir verstehen und verarbeiten, was mit uns wirklich geschieht. Und natürlich muss die Kunst politisch sein, eine Kunst, die es nicht tut, ist bloß eine Gesichtsmassage für die Bourgeoise. Ohne Künstler wäre der Planet auch zum kotzen langweilig.


Rute raus, der Spaß beginnt! Staffel 12, Folge 3: Mit Wladimir Kaminer am Waldsee

„Der Fisch ist nicht das Ziel!“, sagt Schriftsteller und Hobbyangler Wladimir Kaminer. Mit ihm sind Moderator Heinz Galling und NDR Angelexperte…

https://www.fernsehserien.de/rute-raus-der-spass-beginnt/folgen/12x03-mit-wladimir-kaminer-am-waldsee-1594903

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung weiß gar nicht was ihr geschieht, weil sie die russischen Medien nicht verfolgt. Seit Wochen schlagen die Nachrichtensprecher dort Alarm, sie machen sich Sorgen um eingefrorenes, verarmtes, dem Untergang geweihtes Europa. Laut russischen Informationen haben die Berliner nahezu alle Bäume im Tiergarten zu Heizzwecken abgeholzt, darüber soll die Nachrichtenagentur Blumberg berichtet haben. Nun sammeln die BürgerInnen Elefantenmist im Zoo, weil sie erfahren haben, dass man mit dem Mist auch heizen kann. Doch Mist reicht nicht für alle. Deswegen haben die „Russischen Häuser“ - noch übrig gebliebenen Kultureinrichtungen und Konsulate der russischen Föderation ein humanitäres Hilfsprogramm für die Europäer gestartet. In Deutschland, Frankreich, Luxemburg können die zugefrorenen Einheimischen in diesen Häusern ihre Handys vom stabilen Stromnetz aufladen, für Erwachsene werden zu warmen Tee mit Plätzchen Tarkowski-Filme gezeigt, für die Kinder Zeichentricks.Die Interviews mit dankbaren Einheimischen können Steine zum Weinen bringen. Ein anderes Problem in Europa seien die Haustiere, berichtet die Propaganda. Angesichts der grassierenden Inflation können die Europäer ihre Haustiere nicht füttern, sie setzen sie vor der Tür. Schuld an allem seien die bösen Amerikaner unter deren Diktat Europa leidet. Den europäischen Regierungen fehle es an Souveränität. Sonst wären sie längst Putins beste Freunde und müssten nicht frieren. Natürlich sind diese Nachrichten nicht für Europäer bestimmt, sondern für Russen, die Fernsehen gucken und allem glauben, was dort erzählt wird. Manche von ihnen haben Freunde und Verwandten in Europa, so wie die beiden Freudinnen und die Schwester meiner Mutter. Sie machen sich Sorgen um Mama und ihre Katze, sie rufen Mama in Berlin an ohne Rücksicht auf Telefonkosten. Sie können nicht gleichgültig bleiben, wenn es anderen schlecht geht. Das bricht innen das Herz. Sie sind alle knapp 90 Jahre alt, sie haben eine mickrige Rente, die nicht einmal ausreicht, ihre Stromrechnung zu begleichen, die meisten von ihnen können ihre Wohnungen seit Jahren nicht verlassen, weil sie in oberen Stockwerken leben, in Häusern ohne Fahrstuhl und auf Straßen, die nicht einmal mit Gehhilfe zu bewältigen sind. Russland ist nicht barrierefrei. Sie sind voll und ganz auf ihre Enkeln angewiesen, die sie einmal die Woche mit Lebensmitteln und Medizin versorgen und ihre Haushaltskosten zahlen. Aber richtig sorgen tun sie sich um meine Mutter, um ihre Katze, um die Bäume im Tiergarten. Keine Angst, die Bäume sind noch alle da, sagt Mama geduldig, der Katze geht es gut und überhaupt haben wir einen sehr warmen Herbst,  die ganze Zeit 20 Grad plus. Aber danke der Nachfrage, wir halten durch.


Nicht nur in den Randrepubliken, in Moskau und St. Petersburg veranstalteten die Polizisten und die Nationalgarde regelrechte Hetzjagden auf offener Straße, sie verfolgten die Männer im passendem Alter und nahmen sie gleich mit. Nichts ahnende Menschen wurden aus der Bahn gezerrt, von ihrem Arbeitsplatz im Büro, in den Bars und auf Konzerten, überall wurde nach Kanonenfutter gesucht. Mein Freund wäre beinahe aus dem Fitnesscenter abgeholt worden, er ist zu rechten Zeit vom Laufband gesprungen, hat sich versteckt und überlegte zu fliehen. Der helle Gedanke kam recht spät, aber besser später als nie. Nur wohin?

Die demokratischen Nachbarstaaten, die Balten, Finnen und Polen, sie alle haben ihre Grenzen den russischen Deserteuren vor der Nase geschlossen, dafür offenbarten sich die Republiken Mittelasiens als wahre Freunde, die man in der Not braucht, wer hätte das gedacht? Mein Freund ist mit einer „Interessengruppe“ nach Kasachstan gefahren.

In Kasachstan machen sich nun Stand-uper über die unerwartete Auswanderungswelle aus Russland lustig.

Jahrzehntelang waren Kasachen und Usbeken in die russischen Großstädte ausgewandert auf der Suche nach Arbeit, sie mussten die Häme der Russen aushalten, die sie für Menschen zweiter Klasse hielten, ihnen zur Last legten, dass sie Russisch mit Akzent sprachen und statt „u“ „ü“ sagten. Es war sehr schwierig für Arbeitsmigranten aus Asien eine Wohnung in Moskau zu finden, „Wir vermieten nur an slawisch Aussehende“ annoncierten die Hausbesitzer.

Wie schnell kann sich alles im Leben ändern, inzwischen müssen die geflüchteten Russen lernen, kasachische Buchstaben richtig auszusprechen und „ü“ statt „u“ sagen, sie kneifen die Augen zu, um bei der Wohnungssuche nicht zu „slawisch“ auszusehen.

Der Gerechtigkeit halber muss man sagen, die Kasachen sind nicht nachtragend, sie verstehen, in welcher Not die Menschen aus Russland zu Ihnen geflohen sind. „Sollte bei uns was schief gehen, würdet ihr uns doch auch aufnehmen?“ fragte ein Kasache die „Interessengruppe“ die er bei sich im Wohnzimmer für die Nacht platzierte.

„Na klar doch, immer gern, so ein tolles Land, Gott segne Kasachstan!“ antworteten die Deserteure.


Drei Tage habe ich im Wald Pilze gesammelt, Steinpilze, Butterpilze, Maronen. Der Ertrag an roten Fliegenpilzen übertraf dieses Jahr alle Erwartungen. Die Ameisenpopulation hat sich erholt, die Kraniche üben neue effizientere Routen und die Igel haben ihre Vorratskammer gefüllt. Nur mit Menschen stimmt irgendetwas nicht, wie immer.  Jetzt geht die Lesereise weiter, ich bin heute in Darmstadt, morgen in Staufen bei Breisgau, am Wochenende in Wörlitz und nächste Woche in Donauwürth, Herbrechtingen, Baden Baden, Solingen und Frankfurt. Hurra, das Leben geht weiter!


Drei Tage habe ich im Wald Pilze gesammelt, Steinpilze, Butterpilze, Maronen. Der Ertrag an roten Fliegenpilzen übertraf dieses Jahr alle Erwartungen. Die Ameisenpopulation hat sich erholt, die Kraniche üben neue effizientere Routen und die Igel haben ihre Vorratskammer gefüllt. Nur mit Menschen stimmt irgendetwas nicht, wie immer.  Jetzt geht die Lesereise weiter, ich bin heute in Darmstadt, morgen in Staufen bei Breisgau, am Wochenende in Wörlitz und nächste Woche in Donauwürth, Herbrechtingen, Baden Baden, Solingen und Frankfurt. Hurra, das Leben geht weiter!


Wladimir Kaminer: Putin – Der schiefe Reiter

Putins Präsidentschaft erinnert an eine Serie, deren Drehbuch verloren gegangen ist. Sie muss nun immer weitergedreht werden, weil niemand weiß, wie sie glaubwürdig ausgehen kann.

https://www.swr.de/swr2/doku-und-feature/putin-der-schiefe-reiter-swr2-essay-2022-10-09-100.html

Am Freitag feiern der russische Präsident, der Zerstörer der Weltordnung und der Oberbefehlshaber der russischen Armee gemeinsam einen runden Geburtstag. Sie werden 70 Jahre alt. In der Öffentlichkeit treten sie immer einzeln auf, die Experten der westlichen Geheimdienste wollen einen „echten“ Guten und zwei Doppelgänger des Präsidenten, den Bösen und den Zornigen unterscheiden, wie sie untereinander kommunizieren wird vorerst ein Geheimnis bleiben. Angeblich hatte der eine Corona, zwei anderen nicht, der Zorniger mit Long Covid wollte den Krieg, der Gute und der Böse waren für weitere Verhandlungen, doch die abweisende Haltung des westlichen politischen Personals kränkte alle drei.   Kein Gespräch auf Augenhöhe, die ständigen Verdächtigungen, Beschimpfungen als Mörder und Kriegstreiber, unbequeme Fragen zu Menschenrechten in Russland, als wären diese Menschenrechte ein Geburtstagsgeschenk, nimm wer will. Apropos Geburtstagsgeschenke, sie waren bis jetzt alle Scheiße. Ihren 50-ten Geburtstag verbrachten sie unter der Erde, in Kischinau, im Museum des moldawischen Portweins, danach übler Kater und Kopfschmerzen, den 60-ten auf dem Eisfeld, sie spielten zu dritt gegen den zukünftigen Verteidigungsminister Eishockey, alle drei konnten kaum auf dem Eis stehen und trotzdem sieben Tore geschossen.

Zum 65ten hatte Berlusconi ein Bettwäsche-Komplettset mit seinem Konterfei vorbeigebracht. Was sollen drei erwachsene Männer mit einem Bettwäscheset? Und die ganzen getöteten Journalisten und Oppositionellen haben sie zum Geburtstag nie bestellt. Der Zornige mochte alte Sachen, der Böse mochte Tiere, der Gute die Frauen.

Der Böse bekam Hunde, Tiger und Krokodile geschenkt, eine weiße Ziege und den niedlichen Zwergesel Stanislav, der Zornige erhielt einmal von Angela Merkel eine Kuckucksuhr mit deutschem Adler, der in einwandfreiem Deutsch die Zeit ansagte. 2011 haben sich die Studentinnen der journalistischen Fakultät der Moskauer Universität  um dem Guten ein Gefallen zu tun für einen erotischen Kalender ausgezogen. Es war das Jahr der großen Brände, halb Sibirien stand in Flammen, der Staat schaffte es nicht, das Feuer zu löschen. „Die Wälder qualmen bloß, wir brennen aber für Dich“ stand in seinem Kalender. Der Erotikkalender war ein Knaller, eine Frauenband trat mit dem Lied auf „Ich will einen wie Putin“. In diesem Jahr bleibt die Geschenkfrage offen. Cherson und Mariupol? Ein Sieg ist nicht in Sicht, die Lage an der Front ist bedrohlich, die ukrainische Armee befreit eine Stadt nach der anderen. Wahrscheinlich werden sie ohne Gäste im Bunker feiern. Die Pandemie hatte sie enger zusammengeschweißt. Vielleicht ruft Macron an.

Foto Igorito Jassun


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