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Mein Freund Vitaly Shklyarov ist endlich raus aus dem Knast, nach fast drei Monaten, die er in Minsk in Untersuchungshaft verbrachte, weil er vom Regime irrtümlich für einen der Anführer der belarussischen Proteste gehalten wurde. Angesichts dieser andauernden Massenproteste ist der Diktator einsichtig geworden. Er traf sich letzte Woche im Knast mit den führenden Kräften der Opposition, die er vor einigen Monaten eingebuchtet hatte, um mit ihnen über eine mögliche Zusammenarbeit zu reden. Wir müssen gemeinsam alles tun, um unser Land zu retten, sagte er.

Lukaschenko, seit 26 Jahren an der Macht, hatte sich schon immer große Mühe gegeben, das belarussische Volk vor allen möglichen Gefahren zu schützen, vor liberalem europäischen Einfluss, vor dem übergroßen russischen Bruder, der die kleine Republik liebend gerne zum Frühstuck verzehren würde und vor miesen amerikanischen Investoren, die nur darauf warteten, die schöne belarussische Wirtschaft zu plündern. Nun hat der Präsident eine neue Gefahr entdeckt, die das Land destabilisiert und Menschen zu Hunderttausenden Woche für Woche auf die Straße treibt, und zwar sich selbst, einen gewissenslosen Diktator, der das Land seit einem Viertel Jahrhundert erdrückt und zu allem bereit ist, um seine Macht zu sichern. Man muss viel Mut und bürgerliche Courage besitzen, um gegen einen solchen gefährlichen Typen aufzutreten. Und doch hat er das Risiko in Kauf genommen und sich tapfer auf die Seite der Opposition geschlagen. Die ausgelaugten Anführer der Opposition haben ihm vier Stunden zugehört und danach gefragt, ob sie sich waschen dürfen, denn sie haben sich seit Monaten nicht gewaschen. Sie dürften. Aber nach der Banja musste die wichtige Entscheidung über die Zusammenarbeit getroffen werden.  Was sollen sie bloß tun?

Der Wille des Volkes ist unmissverständlich, der Diktator muss weg. Wenn aber sein Bezwinger wieder Lukaschenko heißt, könnte es wohl kaum um einen Namensvetter handeln.


Notitzen aus RisikogebietenWährend der Corona –Pandemie haben sich die Hotels große Mühe gegeben und neue Ernährungskonzepte ausgearbeitet, um das Virus nicht gleich zum Frühstück mit zu servieren. Die Hoteliers wollten herausfinden, ob es geht, die Gäste niveauvoll zu bedienen und gleichzeitig die von den Landesregierungen vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen einzuhalten. Der viel gelobte deutsche Föderalismus hatte auch die Hoteldirektionen erfasst, wie die Landesregierungen waren auch sie der Meinung, nur in ihrem Haus kann ein perfekter Plan für ein pandemisches Genießerfrühstück entstehen. An der Schwelle zur zweiten Welle habe ich alle Frühstückskonzepte ausprobiert. In einem schicken Hotel in Heidelberg sollte jeder Gast zuerst am Tisch auf einem Stück Papier aufschreiben, was er schon immer gern zum Frühstück haben wollte, „wir erfüllen jeden Wünsch“ versicherte die Küche. Die Gäste nahmen diese Aufgabe sehr ernst, wie ein Volk der Dichter und Denker schrieben sie, nein, sie dichteten sich ein Frühstück zusammen, jeder in seiner Sprache, manchmal fehlten jemandem die Worte, dann unterbrachen sie kurz, strichen das Aufgeschriebene durch und begannen aufs Neue, sie entwarfen das beste Frühstück der Welt, ließen ihre Phantasie spielen, bekamen aber am Ende alle das Gleiche : Ein Ei, ein wenig Schinken, Käse und Brot. In einem anderen Hotel, in München, mussten die Gäste außer Masken auch Handschuhe tragen, und sie vor jedem Gang zum Buffet wechseln. In den glitschigen Einweghandschuhen rutschte ihnen das Essen aus der Hand. Die Türen zur Straße hin waren offen, um eine  bessere Lüftung zu gewährleisten, der Wind riss die Handschuhe von Tischen und Böden, wie kleine silberne Fledermäuse flatterten sie durch die Luft. Aber das Genießer- Vitalfrühstuck in Wiesbaden übertraf alles Vorhergesehene. Das hessische Frühstücksbuffet wurde ausgesprochen reichhaltig aufgetragen, man durfte ihm bloß nicht zu nahe kommen. Jeder Gast musste aus sicherer Entfernung dem Kellner zurufen, was er auf seinem Teller haben wollte. Es bildete sich eine lange Schlange quer durch den Speisesaal, die meisten nuschelten etwas Unverständliches in ihre Maske hinein, die Kellner trugen selbstverständlich auch einen Mundnasenschutz, sie konnten die Gäste nicht verstehen und sich nicht auf deren Bestellungen konzentrieren. Ich hatte schon früher gemerkt, dass Menschen, wenn sie andauernd Masken tragen, nicht nur schlechter reden, sie hören, sehen und denken auch schlechter. Viele Genießer erwiesen sich als extrem kurzsichtig, sie konnten aus zwei Meter Entfernung das Essen auf den Tabletts nicht richtig erkennen. Vor allem aber wussten sie nicht, wie das heißt, was sie auf ihrem Teller haben wollten. Das machte die Zusammensetzung jedes Frühstückstellers zu einer Qual. „Ich möchte bitte von diesem rosigen da eine Scheibe, nein nicht die Scheibe, die andere, die zweite von unten, ist das Käse oder Fisch?“ „Was wuschen Sie sisch?“ fragte der Kellner. „Einen Käsefisch? Das habe isch nisch“


Die Steinpilze sind schon weg, die Butterpilze kommen aber in Scharen, ich sammle gerade die letzten eukaryotischen Lebewesen dieses gequälten Palneten und hoffe auf eine Offenbarung


Liebe Freundinnen und Freunde,ich bin heute gleich zwei Mal im Fernsehen. Mit dem Pferdefilm auf 3 Sat “Die Pferde der österreichen Monarchie zwischen Zeit- und  Natursprung https://www.3sat.de/…/spanische-hofreitschule100.html…Und in kleiner Nebenrolle als Fragesteller zum Zustand der Welt:https://www.mdr.de/…/sendung901586_date-2020-10-10…


Liebe Wiesbadenerinnen und Wiesbadener, ich lade alle zu unserem einmaligen Auftritt im Schlachthof ein, an diesem Donnerstag steht die Corona- Band “Kaminer & Antikörpers” zum ersten Mal in Wiesbaden auf der Bühne!


Langsam springen die Kulturmotoren wieder an. Ich dürfte wieder auf Lesereise gehen, natürlich unter der Einhaltung der strengsten Hygienemaßnahmen. Ich desinfizierte die Bücher, bevor ich sie in die Hand nahm und legte die Maske nur auf der Bühne ab. Die meisten Veranstaltungen fanden sowieso in Freiem statt. In München war es eine kleine Bühne auf dem Platz von Deutschem Museum, nach der Veranstaltung ging ich durch die Stadt spazieren.  München ohne Oktoberfest ist wie ein Diktator ohne Atombombe, unglaubwürdig. Dieses Jahr darf die Stadt nur nach „Wirtshaus Wiesn Konzept“ feiern, die Menschen sitzen vor den Wirtshäusern, sie dürfen trinken, aber sie dürfen nicht zusammen singen, weil es zu einem unkontrollierten Aerosol Ausstoß führen kann. Und sie sollen selbstverständlich nicht tanzen. Wenn sie aufstehen, müssen sie Maske tragen, ihre Alkoholfahne mit niemandem teilen und dadurch den Kater von morgen bereits heute bekommen. In manchen Gärten spielten sogar die Blaskapellen, sie müssten bloß ihre Instrumente senkrecht nach unten halten, ebenfalls wegen Aerosole. Die Blasskapellen wurden von der Landesregierung verpflichtet, keine Lieder zu spielen, die zum Mitsingen animieren, kein „Griechischer Wein“ kein „Hulapalu“. Auch sollten sie am besten nur Musik machen, die nicht zum Tanzen geeignet ist. Da hätten sie große Schwierigkeiten ein Repertoire zusammenzustellen, beschwerte sich der Kapellmeister in einem Interview. Ich denk, die russischen Armeechöre könnten gut mit dieser Aufgabe fertig werden und wären für die Münchener eine erfrischende Abwechslung zu ihrem ewigen Hulapalu. Der Sommer geht, die Angst wächst. Was kommt noch auf uns zu? Ein Weihnachten ohne Märkte, ein Karneval ohne Umzüge, und ein langes gesundes Leben im Homeoffice.


Unsere Quarantäne Band “Kaminer & Antikörpers” feiert Premiere. Zum ersten Mal live, Genesung ist garantiert, die besten Covid-Hits:
Am 1.10.2020 im Schlachthof Wiesbaden


Cherchez la femme

Traditionell wechseln die deutschen Bundeskanzler nach der Ausübung ihres Amtes zu Gasprom. Diese Option hat Frau Merkel nun endgültig vergeigt. Sie hat Putins Vergiftungspolitik aufs Schärfste kritisiert.
Die russischen staatstreuen Medien sind voller Empörung. „Wem soll eine solche Vergiftung nutzen“, schrieben sie und stellten die These auf, die Ärzte von der Charité hätten den Oppositionellen selbst vergiftet. Eine klare Absage an das Töten als legitimes Mittel der Politik, so etwas wie: „Nein, wir bringen unsere politischen Gegner nicht um“ kam nicht. Erstaunlich, wie fest sich Putin daranhält, die Giftmischer zu decken. Es wäre für ihn doch ein leichtes, ein paar schwarze Schafe zu finden, sie für die gescheiterte Attentat verantwortlich machen und vom großzügigen russischen Gericht milde Strafen bekommen lassen, um den Westen zu beruhigen. Stattdessen ist er bereit, alles zu riskieren, sogar das russische Vorzeigeprojekt Nordstream II aufs Spiel zu setzen, nur bloß keine Ermittlungen führen zu müssen. Wer ist die geheime Person, die einen solchen Schutz des mächtigsten Mannes Russlands geniest? Das kann nur eine Frau sein, die Liebe macht blind und leichtsinnig, sie lässt sogar lupenreine Autokraten übers Feuer springen.
Eine Frau, die Morde an den politischen Gegnern seines Geliebten plant, was für ein Krimi! Aber Spaß beiseite, die Bundeskanzlerin könnte die Pipeline, sollte sie fertig gebaut werden, durchaus als politisches Druckmittel benutzen, unter dem Motto: wir lassen uns gerne mit Gas beliefern, aber nur, wenn politische Gefangenen frei gelassen werden. Ein Gefangener pro 1000 Kubikmeter Gas. Wenn die russischen Sicherheitskräfte nicht nach Belarus fahren, die geheimdienstlichen Giftmischer ermittelt und bestraft werden. Es wäre dann Gas des guten Gewissens und würde bei den deutschen Verbrauchern bestimmt gut ankommen.


Belarus heute.

Ein Volk mitten in Europa wird massakiert, auf heftigste verprügelt, eingesperrt. Wo bleibt die Solidarität der Europäer? Die empörten Stimmen der russischen Nachbarn? UNO? Weltsicherheitsrat? Charite?


Die Lesung aus geheimen Garten, die am 12.09. 2020 online stattfinden sollte, fällt leider aus: Aufgrund eines wichtigen Fernsehtermins ist es leider nicht möglich die Lesung wie geplant zu produzieren und auszustrahlen. Aus diesem Grund müssen wir den Termin verschieben. Das Geld für bereits gekaufte Tickets können Sie sich beim Ticketanbieter erstatten lassen.