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Merkels Abschied

In Deutschland verabschieden sich die Staatsoberhäupter mit lustiger Musik aus dem Amt. Sie lassen sich mit einem Zapfenstreich feierlich von einem Militärorchester in die Rente begleiten. Das ist eine große Errungenschaft der demokratischen Gesellschaft, die ihrem Führungspersonal ein Leben nach dem Amt gönnt. In anderen Ländern ist ein solches Leben keine Selbstverständlichkeit. In meiner Heimat, der Sowjetunion galt ein Staatsoberhaupt als gescheitert, wenn er zu Lebzeiten sein Amt verlies. Diese seltenen Fälle hinterließen einen bitteren Geschmack der Erfolgslosigkeit, gar des Verrats des Amtsinhabers. Sollte ein Staatsoberhaupt lebendig sein Amt verlassen, so hieß es später, er habe es nicht geschafft, seine Macht zu stärken und zu behalten, hatte eben keine Führungsqualitäten.

Einmal an die Macht gekommen, blieb der Herrscher in der Regel auf seinem Stuhl bis zum letzten Atemzug kleben und wurde danach zur traurigen Musik mit den Füßen nach vorne rausgetragen. Seine Amtszeit endete mit einer öffentlichen Begräbniszeremonie, nur dann galt sein Machtwerk als vollendet.  Aus meiner Kindheit und Jugend erinnere ich mich an diese feierlichen Begräbniszeremonien, im Fernsehen wurde zu solchen Anlässen immer Tschaikowski gespielt, das Märchen- Ballett „Schwanensee“. Der Tanz der kleinen Schwäne wurde im Ersten ausgestrahlt noch bevor die traurige Nachricht von dem Abschied des aktuellen Generalsekretärs in der Regierungszeitung erschien.  Mit der Zeit entstand bei der Bevölkerung ein Reflex, jedes Mal, wenn wir die kleinen Schwäne im Fernsehen sahen, dachte jedermann im Land an den Tod des Herrschers und eine baldige politische Wende. Denn jeder neue Herrscher fühlte sich berufen, alles umzukrempeln von Neuem anzufangen und endlos zu regieren. Er wurde von seinem Umfeld zu einer ewigen Herrschaft quasi verpflichtet. Daran hat sich auch heute nichts geändert. „Ohne Putin kein Russland“ behauptete neulich der Vorsitzende des russischen Parlaments, niemand wunderte sich über seine Aussage.  Deswegen schauen meine in Deutschland lebenden Landsleute mit großer Neugier die hiesigen feierlichen Abschiede. Erstaunlich, aber wahr,  Frau Bundeskanzlerin konnte nach ihrer schier endlosen Regierungszeit über sich die Rosen regnen lassen und mit gutem Gewissen „Tschüss“ sagen, „Ich habe mein Bestes getan und gehe jetzt in Frieden, die Sanddornkonfitüre kochen, wir sehen uns vielleicht später auf Hiddensee wieder.“ Und niemand fragt sich, kann es ein Deutschland ohne Merkel geben? Wird der neue Kanzler auch die gleiche Autorität in Europa und der Welt besitzen? Wird Annalena auch so einfühlsam mit den Autokraten und Diktatoren reden können, wie Frau Merkel es tat, die bekannterweise sich selbst ihr eigener Außenminister war. Ja, die neuen werden es irgendwie schaffen, Deutschland geht an politischem Machtwechsel nicht unter, dass weiß ich aus Erfahrung.

Frau Merkel ist nämlich nicht die erste Person, die sich in meiner Anwesenheit in Deutschland mit lustiger Musik aus dem hohen Amt verabschiedet. Ich kann mich gut an Helmut Kohl erinnern, den obersten deutschen Wiedervereiniger. Rustikal und lebensfroh war er nach ebenfalls 16 Jahren Kanzlerschaft mit dem großen Kurfürsten Reitermarsch von uns in die Pfalz geritten. Nach ihm kam Gerhard Schröder, der seine kurze und turbulente Kanzlerschaft mit „Sommertime“ beendete, einem Song über das süße Leben in der Sonne. Als wüsste er damals noch nicht, dass er schon sehr bald gar nicht im Süden, sondern im endlosen russischen Schneereich seinen nächsten Posten beziehen und auf Gazprom- Gerd hören wird.

Die Musikauswahl von Frau Merkel hat nichtsdestotrotz viele überrascht. Das Lied von Nina Hagen „Du hast den Farbfilm vergessen“ erzählt von den uralten Zeiten als man noch einen speziellen Apparat zum Fotos machen brauchte. Man musste dazu noch in einem Fotoladen einen Film kaufen und ihn in den Apparat laden. Je nach dem welcher Film man gekauft hat, waren die Fotos in Farbe oder schwarz-weiß. „ Du hast den Farbfilm vergessen, lieber Michael…“ Was wollte uns Frau Merkel mit diesem Song über ihre Kanzlerschaft sagen?

Meinte sie vielleicht, die Deutschen und die Welt haben ihre Tätigkeit als Bundeskanzlerin nur grob geschätzt, quasi Schwarzweiß gesehen, viele Schattierungen, Abwandlungen und Varianten waren uns entwischt?

Nun sitz ich wieder bei dir und mir zu Haus
Und such die Fotos für’s Fotoalbum aus
Ich im Bikini und ich am FKK
Ich frech im Mini, Landschaft ist auch da, ja

Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael
Nun glaubt uns kein Mensch, wie schön’s hier war haha, haha


Doch wir glauben Dir, Frau Merkel, wir nehmen Deine Botschaft wahr. Es war sicher nicht immer schön, aber Du hast es geschafft. Wir werden Dich gut in Erinnerung behalten.


Sechster Sinn

Es wird viel in der Presse berichtet, was mit Menschen passieren kann, die sich nicht impfen lassen wollen, aber von übermäßig Geimpften hört man kaum. Dabei gibt es sie auch. Mein russischer Freund K. wurde sechs Mal geimpft, nicht aus gesundheitlichen, sondern aus politischen Gründen. Er musste dringend seine Mutter in Moskau besuchen, die erkrankt war. In Deutschland vollständig geimpft, musste er sich für die Reise nach Russland trotzdem zwei Mal mit Sputnik impfen lassen, weil die deutschen Impfstoffe in Russland nicht anerkannt werden, sie werden diskriminiert, weil die Europäer die russischen Impfstoffe verschmähen, obwohl sie aus demselben toten Virus wie die deutschen gemacht wurden, ein schmutziges Spiel der Politik, wie K. behauptete. Um nach Deutschland zurückzukommen reichten seine russischen QR Codes nicht aus, seine alten deutschen Impfungen hatte er vor seiner Abreise nicht in digitaler Form eintragen lassen. Also musste er sich zur Sicherheit zum zweiten Mal mit den deutschen Impfstoffen impfen lassen. Impfstoffe aller Länder, vereint Euch! witzelte K. über seinen Impfstatus. Als sechs Mal geimpfter, also mit Impfstoffen aller Länder vollgepumpter Mann machte er in Berlin einen Antikörpertest, er wollte wissen wie viele schützende Proteine in seinem Blut schwimmen. Die Grenzwerte seien noch nicht eindeutig definiert, aber man gehe davon aus, ab einem Wert zwischen 16 und 24 würde man ausreichend geschützt sein, sagte der Arzt. K‘s Labortest zeigte 4000 und das nur, weil die Geräte nur bis 4000 messen können, wie ihm der Arzt erklärte. Möglicherweise hat unser Freund mehr Antikörper als eine mittelgroße europäische Stadt. Schade, dass der Mythus von der Chipisierung der Bevölkerung nur ein Märchen ist. Sollte er sich bewahrheiten, so könnte mein Freund die Engpässe bei der Chipproduktion beheben und die deutsche Automobilindustrie mit seinen körpereigenen Chips beliefern. Als wir uns das letzte Mal sahen, berichtete er, alle seine Sinne seien nach der sechsten Impfung geschärft, es kommt ihm vor, als würde er hören, was die Nachbarn ein Stockwerk unter ihn reden, er kann eine Dönerbude aus einer 100 Meter Entfernung riechen und braucht keine Lesebrille mehr. Außerdem ist bei ihm einer Art sechster Sinn entstanden, ein Nachrichteninstinkt. Intuitiv weiß er, was in den Nachrichten kommt. Ich brauche keine Tagesthemen mehr gucken, proste sich K. Noch bevor der Nachrichtensprecher auf dem Bildschirm erscheint, weiß ich, was kommt.


Willkommen im Lew Kopelew Forum

Lew Kopelew Forum in Köln

https://www.kopelew-forum.de/willkommen-im-lew-kopelew-forum.aspx

O životu i delu Fjodora Dostojevskog, Lava Tolstoja, Antona Čehova, Mihaila Bulgakova, Vladimira Majakovskog, Vladimira Nabokova i Danila Harmsa.

Rođen u Moskvi, emigrirao u Berlin početkom devedesetih, Vladimir Kaminer je odrastao uz knjige Tolstoja i Dostojevskog, u školi se bavio Majakovskim i Čehovom, potajno je čitao Nabokova, javno recitovao Bulgakova, a sve do danas poštovalac je Danila Harmsa. Proslavljeni autor bestselera Ruski disko u ovoj knjizi na neponovljivo zabavan i duhovit način priča o životu i delu sedam velikih autora iz svoje domovine. Za njega Dostojevski, Tolstoj i ostali velikani ruske književnosti nisu apstraktni predmeti proučavanja, već ljudi od krvi i mesa. Oni su živeli i voleli, imali su neobične slabosti, čudne sklonosti i uvrnute živote, koji mnogo govore o svetu u kojem živimo. Knjiga Vladimira Kaminera izuzetno je živ i nadasve zabavan omaž sedmorici pisaca, koji čitaoca inspiriše da se upusti u vlastita istraživačka putovanja kroz književnost.


Jahr für Jahr haben wir eine Russendisko zu Weihnachten veranstaltet

Wildes Tanzen statt Besinnlichkeit, Wodka statt fetter Vögel.

Zuerst haben wir das Kaffee Burger zu Tode getanzt, dann die Volksbühne.

Dieses Jahr hat uns der Schokoladen in der Ackerstrasse eingeladen.

29.12.2021 ab 22 Uhr. Im Programm: Die schlimmsten Hits aus dem Imperium des Bösen


Im Vorfeld wurde ich von mehreren TV- Sendern kontaktiert, die Redakteure fragten mich ob ich Fjodor Dostojewski kennen würde.  Mein Siamkater mit schwerem Charakter heißt Fjodor Dostojewski. Jeden tag weckte er mich mit seiner ungezähmter Art, fast 20 Jahre lang, bis er zu meinem Sohn umgezogen ist. Natürlich kenne ich Dostojewski, antwortete ich und wurde als Experte in die Filme eingeladen. Heute abend wird auf ARTE der erste Film mit meiner Expertise ausgestrahlt. Wenn Sie den Film sehen ,behalten Sie bitte im Hinterkopf, es geht um das Leben des Katers.

Spieler seines Lebens – F.M. Dostojewski: ARTE-Doku über russischen Schriftsteller (prisma.de)

 

„Das Leben des heillosen Spielers und seiner Helferin, ein unstetes Leben aus Sucht, Flucht und Furcht, wird in der 45-Minuten-Doku von Slawisten und Schriftstellern wie Wladimir Kaminer anschaulich interpretiert“.


Nächste Woche wird der große russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski 200 Jahre alt. Das runde Jubiläum wird in Deutschland ausgiebig gefeiert, mehrere Filmdokus fürs Kulturfernsehen sind gedreht, seine Bücher neu verlegt, in Cottbus, Hamburg, Hannover, Berlin werden seine Romane inszeniert (er hat  kein einziges Theaterstuck geschrieben, aber seine Romane schreien nach einer Bühne). Die Deutschen lieben Dostojewski, als wäre er die Quintessenz  der geheimnisvollen russischen Seele, so etwas wie Ivan Rebrov, nur in Echt. Bei keinem anderen kommt die Ambivalenz des moralischen Handels so klar zum Vorschein, er zeigt uns, mit welch guten Absichten die Wege zur Hölle gepflastert sind. Die Guten bauen oft Mist, die Bösen retten manchmal Leben. An jeder guten Absicht lässt er die Leser zweifeln, für jeden Schurken findet er ein gutes Wort. Das macht ihn so beliebt, auch die Tatsache, dass er seine besten Romane in Deutschland schrieb. Dostojewski litt an der Prokrastination, er hasste es, auf Knopfdruck zu arbeiten und erfand tausend Gründe, warum er gerade jetzt nicht schreiben kann. Das Einzige, was ihn disziplinierte, war die Notwendigkeit, seine Spielschulden zu bezahlen. Er war nämlich ein Spieler, ein gern gesehener Gast in den Casinos von Bad Homburg und Baden Baden.
Man kann mit Recht behaupten, die deutschen Spielkasinos haben viel zur Entstehung der russischen klassischen Literatur beigetragen. In diesem Jubiläumsjahr wurde ich immer wieder als Dostojewski Experte eingeladen.
Ich komme aus Russland, bin auch Schriftsteller. Außerdem habe ich seit zwanzig Jahren einen Siamkater, der Fjodor Dostojewski heißt und in der Tat ist seine Ähnlichkeit mit dem Schriftsteller frappierend, er hat den gleichen bösen Blick und schrägen Charakter.
Dostojewski hatte einmal in Baden Baden fünf Rubel auf 23 gesetzt und 10 000 gewonnen. Seitdem setzte er nur auf 23, vergeblich.
In seiner Not entwickelte er eine fixe Idee, einmal die Roulettekugel vom Tisch zu stehlen. Wenn er die Kugel bloß für kurzen Augenblick in der Hand hätte, ihre Wärme und ihr Gewicht spüren könnte, würde er genau wissen, was komme, so dachte er. Er suchte sich einen Spieltisch in der dunklen Ecke, schlich sich an den Croupier von hinten an, nichts half, er bekam die Kugel nicht. Neulich war ich in Baden Baden, ich hatte eine Lesung im Casino. Also beschloss ich, zu Ehren von Dostojewski einmal auf 23 zu setzen. Die ersten zehn Mal gingen daneben: 8, 14, 36..
Ich blickte zu der fein bemalten Decke des Casinos, irgendwo da oben am Fegefeuer, auf dem Stuhl des fröhlichen Sünders sollte doch Dostojewski eingenickt sein. „Fjodor wach auf!“ wünschte ich leise. Prompt kam die 23, dreimal hintereinander! Müde, aber zufrieden, ging ich ins Hotel, mit Taschen voller Geld.  Auf die russische Klassik ist noch immer Verlass.



Frage für einen Freund


Wenn ich einen Geimpften bzw. Getesteten verspeße, gelte ich auch als Geimpft bzw. Getestet?


Das unaufhaltsame Wachstum ist der Grundstein unserer Zivilisation, die Kakteen in meiner Küche, erst vor einem Monat gekauft, sind doppelt so groß geworden und passen nicht mehr in die Töpfe, Kinder und Hunde passen nicht in die Küche, auch Haare und Nägel wachsen jedes Jahr schneller. Alles wächst, außer deutscher Wirtschaft. Aus jedem Radio- und Fernsehsender, sogar aus dem Bügeleisen kommen SOS Signale: Die traditionelle Schnäppchenjagd sei dieses Jahr in Gefahr. Eine urdeutsche Sitte, deren Dynamik unser Leben  prägt. Die Schnäppchenjagd bestimmt unsere Biorhythmen, in diesem alljährlichen Gesellschaftsspiel sind wir die Jäger und die Schnäppchen zugleich. Nun hörte ich, bei aktuellen Lieferzeiten könnten bereits in Oktober bestellte Waren erst in Februar in Deutschland eintrudeln. Engpässe, wohin das Auge blickt, der Automobilbranche fehlt das Aluminium, der Modebranche der Stoff, dem Elektromarkt gehen möglicherweise Fernsehergeräte aus, ich sage gleich, unter solchen Umständen wird der Weihnachtsmann gar nicht kommen. Er wird uns dann auch von Engpässen und steigenden Preisen erzählen, das Futter für die Renntiere sei zu teuer geworden und für PCR Tests möchte er nicht zahlen, er ist schließlich genesen und geimpft mit Sputnik V. Was sollen wir jetzt tun? Früher, da konnten wir bei Aldi einen ganzen Tausendfüßler für 9.99 mit Schuhwerk versorgen, die Zeiten sind vorbei. Was macht eigentlich Greta, könnte es sein, dass alles, was dieses Mädchen sich wünscht, Realität wird, ohne jeglicher Anstrengung ihrerseits? Sie hat einmal gesagt, wir sollen aufhören ständig hin und her zu fliegen, prompt hatten wir gar keinen Flughafen mehr. Dann klagte sie Benzin sei ihr zu billig, sofort stiegen die Preise.  Und neulich meinte sie, wir würden viel zu viele Sachen besitzen, die wir nicht brauchen, die Regale seien ihr zu voll…Also.. Liebes Gretchen, melde Dich bitte, wir müssen dringend reden.