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Immer mehr Stimmen höre ich sagen, diese Pandemie sei ein willkommener Anlass, unsere Gesellschaft endlich ein Stuck weiter in Richtung rationale positive Lebenswahrnehmung zu rücken, ohne des ständigen Herumreisens, ohne Partys und Alkohol, ohne Silvesterfeuerwerk und ohne Massenveranstaltungen, die nur Müll und Lärm produzieren und uns von wirklich guten Dingen ablenken. Das Leben könnte so schön sein: früh aufzustehen, Yoga machen, schuften gehen, bei veganem Markt Würste aus Pappe kaufen und zeitig ins Bett springen. Was will man mehr?Wie wird er also sein, der positive Held der Zukunft? Je dunkler der Winter umso deutlicher sehe ich ihn kommen. Ich habe ein trainiertes Auge dafür. In meiner sozialistischen Heimat mussten wir, Schüler im Literaturunterricht, in jedem Märchen und jeder Fabel sofort den „positiven Helden“ erkennen, der sich ethisch und moralisch verhält, egal wie schlimm die Lage sei. Bei einem Aufsatz „Der positive Held in den Fabeln von La Fontaine“ zog ein Schuler einmal ein schweres Los, die Fabel „Der Raabe und der Fuchs“:  Herr Rabe auf dem Baume hockt/Im Schnabel einen Käs.Herr Fuchs, vom Dufte angelockt/Ruft seinem Witz gemäß…Der Schuler schrieb, in dieser Fabel sei der Käse der positive Held.Der Raabe kann es ja nicht sein, er ist dumm und egoistisch und auch noch ein Dieb. Der Fuchs ist ein verlogener Heuchler, es bleibt nur der Käse übrig. Der Käse sieht gut aus und tut keinem weh. Alle lieben ihn. Alle finden ihn gut. Die Lehrerin hatte dem jungen Philosophen am Rand seines Aufsatzes geschrieben, der sei selbst dumm wie Brot. Wenn ich heute darüber nachdenke, der Junge hatte Recht. Wir sind gerade dabei uns als eine perfekte Käsegesellschaft zu etablieren. Ohne Knallerei.


Jugend forscht


Das Vertrauen der Jugend in die Politik ist groß. Die Tochter war der Empfehlung der Bundeskanzlerin blind gefolgt und hat sich sofort einen festen Freund besorgt, einen BWL Studenten, beide sitzen im Onlineunterricht fest, sie haben es auch gelernt die Lebensmittel online einzukaufen, es ging schnell und war preiswerter, als wenn man in den Laden ging. Im Laden, so erklärte die Tochter, kaufst Du mit den Augen und so landen ständig Dinge in deinem Einkaufswagen, die Du gar nicht brauchst. Online kannst Du ausgewogen bestellen, mit Verstand. Ihre beste Freundin Lena hatte ausgewogen und mit Verstand bei einem Versandhaus Lebensmittel für 200 Euro bestellt und abschließend sich per Mail beschwert, das Olivenöl sei in ihrer Bestellung ausgelaufen, soll sie jetzt die Sauerei zurückschicken oder was? Daraufhin bekam sie ihr ganzes Geld für den Einkauf zurück, mit der Entschuldigung des Lieferservices. Leute, es funktioniert! twitterte Lena an alle Freunde, der Corona Kommunismus ist endlich da, ihr könnt einkaufen, ohne zu zahlen. Viele Altersgenossen sind ihrem Beispiel gefolgt, haben für hunderte von Euros bestellt und die gleiche Meldung abgeschickt, innen sei das Olivenöl ausgelaufen. Doch sie bekamen nur das Olivenöl ersetzt, das Geld wurde trotzdem abgebucht. Der Corona Kommunismus schien doch noch nicht richtig angekommen zu sein. Außerdem meckerte die Jugend ständig, das Internet sei im November viel zu langsam geworden, vielleicht liege es daran, dass zu viele Studenten in der Stadt leben. In unserem Dorf in Brandenburg macht das Netz noch öfter schlapp. Der junge Sohn der Nachbarin kletterte extra mit dem Laptop auf eine Birke, um besseren Empfang zu haben und seine Hausaufgaben von der Uni runterzuladen. Er war vom Baum gefallen. Laptop kaputt, Junge kaputt. Jugend, passt auf! Onlineunterricht kann lebensgefährlich sein.


Es ist kalt geworden in Deutschland, kalt und dunkel. Meine Tochter beschwerte sich über die soziale Kälte im Onlineunterricht. Sie hat gerade ihr Master Studium in Ethnologie angefangen, bei der Einführung sollte es um gängige Forschungsmethoden gehen, um Feldforschung und „Teilnehmende Beobachtung“. Alle 53 Studierenden sollten sich kurz vorstellen. Die meisten schalteten bei Zoom ihre Kameras aus, sie wollten nicht gesehen werden. Wahrscheinlich studieren sie im Bett, in Pyjama und mit einer Katze auf dem Schoß. Also wurde Nicole von schwarzen Quadraten begrüßt, drei Stunden lang. Die Online Menschen schauen dir nie direkt ins Gesicht, wenn Du sie ansprichst, sie schielen und je nach dem wie ihre Kameras installiert sind, sehen sie entweder wie Eichhörnchen oder wie Pferde aus, erzählte meine Tochter. Die russische Trinkbar „Moloko“, wo sie kellnerte, hat auch zugemacht, die Chefs können sich mit dem Außerhausverkauf nicht über Wasser halten. In zweitem Lockdown stellten sie fest, dass die Kunden gar nicht wegen dem Essen oder Trinken ihre Bar besuchten. Es ging um fröhliches Zusammensein, darum, etwas Wärme in der kalten Jahreszeit zu erzeugen.
Auf unserer Hausfassade ist ein neues Graffiti entstanden, „Wann können wir uns wieder umarmen?“ hat jemand drauf gesprayt. 
Mein Nachbar, ein gestandener Verschwörungstheoretiker, sagte, wir werden es nicht mehr brauchen. Angeblich wird jetzt in der Stadt, irgendwo im Zentrum, ein riesiges Eis-Haus gebaut, wo unsere zukünftige Impfung sicher gelagert werden kann, bei – 80 Grad. Dort werden die Stadtbewohner sich impfen lassen und als Nebenwirkung ein kaltes Herz bekommen. Sie werden nichts mehr spüren, nicht lachen und nicht weinen können und ein langes, gesundes Leben führen in einer Welt, in der niemand mehr niest.



Zum 09.11. eine Hymne an die Zeiten der Anarchie

Jedes Land hat ein Datum, das eine Grenze markiert.

 

Die Amerikaner haben den 11.09. die Deutschen den 09.11.20

 

 


Es geht mir gut. Seit 30 Jahren lebe und arbeite ich in Berlin, bin beruflich als deutscher Schriftsteller tätig, privat aber ein Russe geblieben, das heißt, ich mache vorher keinen Termin, wenn ich meine Mutter besuchen möchte, laufe nicht in den Straßenschuhen durch die Wohnung und schaue nicht in die Mühltonnen um zu prüfen, ob meine Nachbarn ihren Mühl trennen. Meine Nachbarn tun es, denn Ordnung muss sein. Zuhause reden wir nur Russisch, wir schauen manchmal sogar russische Nachrichten, obwohl wir wissen, dass sie mit Vorsicht zu genießen sind. Was soll‘s, meine Heimat hatte schon immer ganz andere Nachrichten als der Rest der Welt. Und trotzdem fühle ich mich  deutsch, ich bin in beiden Kulturen Zuhause. Deutschland und ich, wir sind in diesen 30 Jahren einen langen Weg gegangen und haben uns beide sehr verändert.

Am liebsten erinnere ich mich an den Anfang der Neunzigerjahre, an die Zeit der Anarchie.

Ich kam in Juni 1990 aus Moskau nach Ost Berlin, viele Häuser standen leer, ihre Bewohner haben damals in Eile ihre Wohnungen verlassen, sie gingen nach Westen, weil sie dachten, die Mauer würde bestimmt bald zurückkommen, die ganze Widervereinigung hielten sie für ein Missverständnis, da haben die Russen wohl  nicht aufgepasst, haben sich nicht eingemischt, vielleicht hatten die Panzerfahrer der sowjetischen Armee, die in Deutschland stationiert waren, gerade keinen Sprit gehabt. Möglicherweise hatten sie ihre ganzen Dieselvorräte an die ostdeutschen Bauer verhökert. Ein Freund von mir aus den alten Zeiten,  ein sowjetischer Panzerfahrer, der bei Neuruppin gedient hatte und nach der Wiedervereinigung politisches Asyl in Berlin beantragte, erzählt noch heute gerne, dass die Offiziere tatsächlich den Sprit in großen Mengen an die ostdeutsche Bevölkerung verkauften, sie waren verunsichert, wussten nicht, was sie in der Heimat nach dem Abzug aus Deutschland erwartet und brauchten einen Notgroschen für die dunkle Zeit. Die Sowjetunion steuerte schon damals eindeutig in Richtung Kapitalismus, der Kalte Krieg sollte endgültig beigelegt werden, es war unklar, ob es für die Offiziere in dieser nebelreichen Zukunft überhaupt einen Platz geben wird. Also verkauften sie alles, was sie nicht mehr brauchten. Sie verkauften Baumaterialen, Heizkörper, Uniformen, Sprit, sie hätten wahrscheinlich auch den Panzer verkauft, wenn sie einen Abnehmer dafür gefunden hätten. Doch die Ost-Deutschen waren gerade auf ihre friedliche Revolution so stolz, sie wollten keine Panzer haben, nur Sprit. Mein Freund, der Panzerfahrer hatte später politisches Asyl bekommen, eine Umschulung gemacht und arbeitet bei Telekom. Deutschland ist meine Heimat, sagt er, hier sind alle meine Träume in Erfüllung gegangen.

Auf dem Weg hierher stellte ich mir Deutschland als ein ordnungsvolles Land vor, diszipliniert und sauber, die Menschen kommen zum Bier trinken nie zu spät und die Straßenbahnen halten an jeder Haltestelle von allein an. Wenn es zu langweilig wird, kann ich jede Zeit weiter nach Frankreich oder nach Italien ziehen, so dachte ich.

Doch Berlin entzückte mich mit seiner Anarchie. Die Stadt atmete die Luft der Freiheit, es roch nach Marihuana und Stickstoffen, die bei Verbrennung von Kohlebriketts entstanden. Diese besonders krass stinkenden Kohlebriketts, die sich Berliner zum heizen aus den verwahrlosten fremden Kellern klauten, rieche ich noch heute manchmal wenn ich nachts durch die Dörfer Brandenburgs fahre.

Das wiedervereinigte Berlin und ich, wir waren jung und volle Energie.  Die Einwohner der besetzten Häuser veranstalteten jede Woche Partys auf den Hinterhöfen, man brauchte keine Genehmigung vom Gesundheitsamt um Bier auf der Straße zu verkaufen, der Autohandel blühte auf, die Westdeutschen kauften sich neue  Fahrzeuge, ihre alten gebrauchten Autos konnten sie gewinnbringend an die Ostdeutschen verkaufen, die verkauften ihre Ladas an die Russen. Ein Auto, das innerhalb eines Jahres nicht mindestens  drei Mal seinen Besitzer wechselte, galt als extrem uncool. Die Ausländer integrierten sich innerhalb von wenigen Tagen ins städtische Leben, sie mischten sich überall ein. Die Vietnamesen verkauften enthusiastisch nicht verzollte Zigaretten unter den Brücken und eröffneten die ersten chinesischen Restaurants. „Ente süß sauer“ und „Grüner Jasmin-Tee mit Pflaumenschnaps“ waren die Renner. Für die Ostdeutschen bedeutete das ein Durchbruch in die Welt der globalen Gastronomie. Früher dürften sie die Ente nur zu Weihnachten essen, auf einmal hatten sie Weihnachten jeden Tag und das zum Spottpreis von 9,90 DM! Böse Zungen munkelten allerdings, dass viele dieser preiswerten Enten in Wahrheiten bloß Stadttauben waren.  

Die Afrikaner aus Angola und Mozambik eröffneten die Tanzbars, dort konnte man tanzen und trinken lernen.  Die Russen korrumpierten die Wohnungsgesellschaften, sie schmierten die Beamten und konnten mit einem WBS Schein riesige Wohnungen zu Spottpreisen ergattern. Die Kaufhallen wurden täglich mit Westwaren gefüllt, die Verkäuferinnen konnten nicht mehr merken, wie all die Käsen und Konfitüren hießen, sie sagten einfach

„Ham wi nischt“, wenn man nach Unbekannten verlangte. Die Finanzierung des anarchischen Lebens war ebenfalls gut gesichert. Man musste einmal im Monat zum Sozialamt gehen und bekam ohne lange Gespräche 500 Mark bar auf die Hand, manchmal kamen noch Extras für warme Kleidung und Kinobesuche dazu. Vor den zahlreichen Telefonzellen standen die Russen, die Afrikaner und die Vietnamesen Schlange, Telefonieren mit der Heimat war umsonst, man brauchte dafür bloß eine Telefon - Angel: die Einwurfmünze wurde an einer Angelschnur mit Klebeband befestigt, man musste sie vorsichtig hochziehen, jedes Mal wenn das Telefon einen „Klick“ machte. Die Menschen hatten viel zu erzählen, die Wartenden in der Schlange wurden ungeduldig, permanent beschimpften sie einander.  „Hört auf zu quatschen, geht doch nach Angola zurück!“ hörte man und „Gruß mir deinen Onkel Ho“

„Na, hat Gorbi aufgelegt?“ bekamen die Russen gesagt.

Die Deutschen schauten sich dieser ganze Zirkus an und rieben sich ungläubig die Augen. Ihre keine gemütliche Welt mit einem klar gezeichneten Eingang und Ausgang löste sich wie ein Phantom auf.

Der ganze Spaß hat ziemlich lange gedauert, bis das wiedervereinigte Deutschland sich wieder zusammenraffte und anfing, die Ordnung herzustellen. Alle Menschen, die in den Häusern ohne richtiger Papiere wohnten, bekamen ordentliche Mietverträge, die Mieten schellten sofort in die Höhe, die Zigaretten wurden den Vietnamesen abgenommen und  verzollt, die Telefonzellen abgebaut, die Enten in den chinesischen Restaurants nach ihrer Herkunft geprüft.

Die Sozialämter wurden in Jobcenters umgewandelt, man musste auf einmal jeden Monat dreißig Unterschriften von den potenziellen Arbeitgebern sammeln, die dich nachweislich abgelehnt haben. Diese Regelung hat viele Existenzen zerstört, die Menschen mussten neue Lebensentwürfe entwickeln, viele sind tatsächlich studieren oder gar arbeiten gegangen. Einige von ihnen sind stur geblieben und versuchen noch immer das Bedingungslose Grundeinkommen durchzusetzen. Deutschland hat zu seiner berühmten Ordnung wiedergefunden. Erst vor kurzem wurde das letzte besetze Haus leergeräumt. Nur die Erinnerung an die Zeiten der Anarchie ist geblieben.


Bei vielen Eltern ist der Malwettbewerb: „Kinder malen Corona“ ausgebrochen. Die meisten Coronas sehen aus wie unausgereifte Kastanien, einige wie sowjetische Kosmonauten oder Teletubbies und sie haben auf den Bildern beste Laune, sie lachen und tanzen. Die echten Kastanien liegen schon seit langem auf dem mit Blättergold bedecktem Boden. Im Netz sah ich ein Video: “Mama, Mama! Schau Corona!” rief ein Kind und hob eine Kastanie hoch. Schmeiß das sofort bitte weg, sagte die Mutter müde. Ich möchte hiermit zu der Fortsetzung des Wettbewerbs einladen


Möglicherweise beschleunigt das Virus die allgemeine Verblödung. Neulich musste ein Freund von mir, ein erfahrener, vorsichtiger Autofahrer nach einigen unglücklichen Einparkversuchen zum Idiotentest. Das hat seine Selbstwerteinschätzung negativ beeinflusst. Noch erstaunlicher war es für ihn, dass er den Test nicht bestand. Gleich bei der ersten Frage tippte mein Freund daneben. Die Frage lautete: Wie hoch ist der Anteil von Autofahrern in Deutschland, der gegen die Verkehrsregeln verstößt und Punkte in Flensburg hat. Mein Freund gab, ohne groß nachzudenken „mehr als 50 Prozent“ ein. In Wahrheit ist es weniger als ein Fünftel. Der Grund für die falsche Einschätzung lag auf der Hand, man sieht eben nur die Raser, die einen überholen ohne zu blinken. Die große Masse der vernünftigen Fahrer, die hinter einem herfahren, fällt nicht auf. Deswegen würden sich viele für bessere Autofahrer halten als sie es in Wahrheit sind und denken, Schuld seien immer nur die anderen.
Das gleiche gilt für die amerikanische Präsidentschaftswahl. Allen Umfragen zufolge genießt der amtierende amerikanische Präsident kaum Unterstützung. Laut diesen Umfragen verliert Donald Trump gegen seinen demokratischen Herausforderer. Doch auch vor vier Jahren führte Frau Clinton in allen Umfragen und trotzdem wurde Trump gewählt. Diesmal sind die Soziologen schlauer geworden, sie haben bemerkt, dass viele Amerikaner sich schämen, ihre Sympathie für Trump offen zuzugeben. Sie haben die Frage anders formuliert. Sie lautete „Wen glauben Sie, würde ihr Nachbar wählen? Und siehe an, 56 Prozent aller „Nachbarn“ wählten Trump. Es kann also durchaus passieren, dass Trump am 3.11. eine Mehrheit bekommt. Die Stimmen der diskreten Briefwähler werden bis zum 10.11. gezählt, dort wird Trump verlieren, das Oberste Gericht wird die Sache klären müssen, die USA bekommen einen spannenden Herbst.


Mein Freund Vitaly Shklyarov ist endlich raus aus dem Knast, nach fast drei Monaten, die er in Minsk in Untersuchungshaft verbrachte, weil er vom Regime irrtümlich für einen der Anführer der belarussischen Proteste gehalten wurde. Angesichts dieser andauernden Massenproteste ist der Diktator einsichtig geworden. Er traf sich letzte Woche im Knast mit den führenden Kräften der Opposition, die er vor einigen Monaten eingebuchtet hatte, um mit ihnen über eine mögliche Zusammenarbeit zu reden. Wir müssen gemeinsam alles tun, um unser Land zu retten, sagte er.

Lukaschenko, seit 26 Jahren an der Macht, hatte sich schon immer große Mühe gegeben, das belarussische Volk vor allen möglichen Gefahren zu schützen, vor liberalem europäischen Einfluss, vor dem übergroßen russischen Bruder, der die kleine Republik liebend gerne zum Frühstuck verzehren würde und vor miesen amerikanischen Investoren, die nur darauf warteten, die schöne belarussische Wirtschaft zu plündern. Nun hat der Präsident eine neue Gefahr entdeckt, die das Land destabilisiert und Menschen zu Hunderttausenden Woche für Woche auf die Straße treibt, und zwar sich selbst, einen gewissenslosen Diktator, der das Land seit einem Viertel Jahrhundert erdrückt und zu allem bereit ist, um seine Macht zu sichern. Man muss viel Mut und bürgerliche Courage besitzen, um gegen einen solchen gefährlichen Typen aufzutreten. Und doch hat er das Risiko in Kauf genommen und sich tapfer auf die Seite der Opposition geschlagen. Die ausgelaugten Anführer der Opposition haben ihm vier Stunden zugehört und danach gefragt, ob sie sich waschen dürfen, denn sie haben sich seit Monaten nicht gewaschen. Sie dürften. Aber nach der Banja musste die wichtige Entscheidung über die Zusammenarbeit getroffen werden.  Was sollen sie bloß tun?

Der Wille des Volkes ist unmissverständlich, der Diktator muss weg. Wenn aber sein Bezwinger wieder Lukaschenko heißt, könnte es wohl kaum um einen Namensvetter handeln.


Notitzen aus RisikogebietenWährend der Corona –Pandemie haben sich die Hotels große Mühe gegeben und neue Ernährungskonzepte ausgearbeitet, um das Virus nicht gleich zum Frühstück mit zu servieren. Die Hoteliers wollten herausfinden, ob es geht, die Gäste niveauvoll zu bedienen und gleichzeitig die von den Landesregierungen vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen einzuhalten. Der viel gelobte deutsche Föderalismus hatte auch die Hoteldirektionen erfasst, wie die Landesregierungen waren auch sie der Meinung, nur in ihrem Haus kann ein perfekter Plan für ein pandemisches Genießerfrühstück entstehen. An der Schwelle zur zweiten Welle habe ich alle Frühstückskonzepte ausprobiert. In einem schicken Hotel in Heidelberg sollte jeder Gast zuerst am Tisch auf einem Stück Papier aufschreiben, was er schon immer gern zum Frühstück haben wollte, „wir erfüllen jeden Wünsch“ versicherte die Küche. Die Gäste nahmen diese Aufgabe sehr ernst, wie ein Volk der Dichter und Denker schrieben sie, nein, sie dichteten sich ein Frühstück zusammen, jeder in seiner Sprache, manchmal fehlten jemandem die Worte, dann unterbrachen sie kurz, strichen das Aufgeschriebene durch und begannen aufs Neue, sie entwarfen das beste Frühstück der Welt, ließen ihre Phantasie spielen, bekamen aber am Ende alle das Gleiche : Ein Ei, ein wenig Schinken, Käse und Brot. In einem anderen Hotel, in München, mussten die Gäste außer Masken auch Handschuhe tragen, und sie vor jedem Gang zum Buffet wechseln. In den glitschigen Einweghandschuhen rutschte ihnen das Essen aus der Hand. Die Türen zur Straße hin waren offen, um eine  bessere Lüftung zu gewährleisten, der Wind riss die Handschuhe von Tischen und Böden, wie kleine silberne Fledermäuse flatterten sie durch die Luft. Aber das Genießer- Vitalfrühstuck in Wiesbaden übertraf alles Vorhergesehene. Das hessische Frühstücksbuffet wurde ausgesprochen reichhaltig aufgetragen, man durfte ihm bloß nicht zu nahe kommen. Jeder Gast musste aus sicherer Entfernung dem Kellner zurufen, was er auf seinem Teller haben wollte. Es bildete sich eine lange Schlange quer durch den Speisesaal, die meisten nuschelten etwas Unverständliches in ihre Maske hinein, die Kellner trugen selbstverständlich auch einen Mundnasenschutz, sie konnten die Gäste nicht verstehen und sich nicht auf deren Bestellungen konzentrieren. Ich hatte schon früher gemerkt, dass Menschen, wenn sie andauernd Masken tragen, nicht nur schlechter reden, sie hören, sehen und denken auch schlechter. Viele Genießer erwiesen sich als extrem kurzsichtig, sie konnten aus zwei Meter Entfernung das Essen auf den Tabletts nicht richtig erkennen. Vor allem aber wussten sie nicht, wie das heißt, was sie auf ihrem Teller haben wollten. Das machte die Zusammensetzung jedes Frühstückstellers zu einer Qual. „Ich möchte bitte von diesem rosigen da eine Scheibe, nein nicht die Scheibe, die andere, die zweite von unten, ist das Käse oder Fisch?“ „Was wuschen Sie sisch?“ fragte der Kellner. „Einen Käsefisch? Das habe isch nisch“


Die Steinpilze sind schon weg, die Butterpilze kommen aber in Scharen, ich sammle gerade die letzten eukaryotischen Lebewesen dieses gequälten Palneten und hoffe auf eine Offenbarung


Liebe Freundinnen und Freunde,ich bin heute gleich zwei Mal im Fernsehen. Mit dem Pferdefilm auf 3 Sat “Die Pferde der österreichen Monarchie zwischen Zeit- und  Natursprung https://www.3sat.de/…/spanische-hofreitschule100.html…Und in kleiner Nebenrolle als Fragesteller zum Zustand der Welt:https://www.mdr.de/…/sendung901586_date-2020-10-10…