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Langsam springen die Kulturmotoren wieder an. Ich dürfte wieder auf Lesereise gehen, natürlich unter der Einhaltung der strengsten Hygienemaßnahmen. Ich desinfizierte die Bücher, bevor ich sie in die Hand nahm und legte die Maske nur auf der Bühne ab. Die meisten Veranstaltungen fanden sowieso in Freiem statt. In München war es eine kleine Bühne auf dem Platz von Deutschem Museum, nach der Veranstaltung ging ich durch die Stadt spazieren.  München ohne Oktoberfest ist wie ein Diktator ohne Atombombe, unglaubwürdig. Dieses Jahr darf die Stadt nur nach „Wirtshaus Wiesn Konzept“ feiern, die Menschen sitzen vor den Wirtshäusern, sie dürfen trinken, aber sie dürfen nicht zusammen singen, weil es zu einem unkontrollierten Aerosol Ausstoß führen kann. Und sie sollen selbstverständlich nicht tanzen. Wenn sie aufstehen, müssen sie Maske tragen, ihre Alkoholfahne mit niemandem teilen und dadurch den Kater von morgen bereits heute bekommen. In manchen Gärten spielten sogar die Blaskapellen, sie müssten bloß ihre Instrumente senkrecht nach unten halten, ebenfalls wegen Aerosole. Die Blasskapellen wurden von der Landesregierung verpflichtet, keine Lieder zu spielen, die zum Mitsingen animieren, kein „Griechischer Wein“ kein „Hulapalu“. Auch sollten sie am besten nur Musik machen, die nicht zum Tanzen geeignet ist. Da hätten sie große Schwierigkeiten ein Repertoire zusammenzustellen, beschwerte sich der Kapellmeister in einem Interview. Ich denk, die russischen Armeechöre könnten gut mit dieser Aufgabe fertig werden und wären für die Münchener eine erfrischende Abwechslung zu ihrem ewigen Hulapalu. Der Sommer geht, die Angst wächst. Was kommt noch auf uns zu? Ein Weihnachten ohne Märkte, ein Karneval ohne Umzüge, und ein langes gesundes Leben im Homeoffice.


Unsere Quarantäne Band “Kaminer & Antikörpers” feiert Premiere. Zum ersten Mal live, Genesung ist garantiert, die besten Covid-Hits:
Am 1.10.2020 im Schlachthof Wiesbaden


Cherchez la femme

Traditionell wechseln die deutschen Bundeskanzler nach der Ausübung ihres Amtes zu Gasprom. Diese Option hat Frau Merkel nun endgültig vergeigt. Sie hat Putins Vergiftungspolitik aufs Schärfste kritisiert.
Die russischen staatstreuen Medien sind voller Empörung. „Wem soll eine solche Vergiftung nutzen“, schrieben sie und stellten die These auf, die Ärzte von der Charité hätten den Oppositionellen selbst vergiftet. Eine klare Absage an das Töten als legitimes Mittel der Politik, so etwas wie: „Nein, wir bringen unsere politischen Gegner nicht um“ kam nicht. Erstaunlich, wie fest sich Putin daranhält, die Giftmischer zu decken. Es wäre für ihn doch ein leichtes, ein paar schwarze Schafe zu finden, sie für die gescheiterte Attentat verantwortlich machen und vom großzügigen russischen Gericht milde Strafen bekommen lassen, um den Westen zu beruhigen. Stattdessen ist er bereit, alles zu riskieren, sogar das russische Vorzeigeprojekt Nordstream II aufs Spiel zu setzen, nur bloß keine Ermittlungen führen zu müssen. Wer ist die geheime Person, die einen solchen Schutz des mächtigsten Mannes Russlands geniest? Das kann nur eine Frau sein, die Liebe macht blind und leichtsinnig, sie lässt sogar lupenreine Autokraten übers Feuer springen.
Eine Frau, die Morde an den politischen Gegnern seines Geliebten plant, was für ein Krimi! Aber Spaß beiseite, die Bundeskanzlerin könnte die Pipeline, sollte sie fertig gebaut werden, durchaus als politisches Druckmittel benutzen, unter dem Motto: wir lassen uns gerne mit Gas beliefern, aber nur, wenn politische Gefangenen frei gelassen werden. Ein Gefangener pro 1000 Kubikmeter Gas. Wenn die russischen Sicherheitskräfte nicht nach Belarus fahren, die geheimdienstlichen Giftmischer ermittelt und bestraft werden. Es wäre dann Gas des guten Gewissens und würde bei den deutschen Verbrauchern bestimmt gut ankommen.


Belarus heute.

Ein Volk mitten in Europa wird massakiert, auf heftigste verprügelt, eingesperrt. Wo bleibt die Solidarität der Europäer? Die empörten Stimmen der russischen Nachbarn? UNO? Weltsicherheitsrat? Charite?


Die Lesung aus geheimen Garten, die am 12.09. 2020 online stattfinden sollte, fällt leider aus: Aufgrund eines wichtigen Fernsehtermins ist es leider nicht möglich die Lesung wie geplant zu produzieren und auszustrahlen. Aus diesem Grund müssen wir den Termin verschieben. Das Geld für bereits gekaufte Tickets können Sie sich beim Ticketanbieter erstatten lassen.


Es war noch nie so leicht, sich durch die Welt zu bewegen, wir richten uns nach dem Pfeil. Grün ist der Eingang, mit roter Farbe ist der Ausgang gekennzeichnet. Der Boden ist markiert, in Geschäften, auf den Bahnhöfen, in den Restaurants und im Straßenverkehr, sogar in den öffentlichen Toiletten sind rote und grüne Pfeile auf die Kachel geklebt, damit man nicht zu nahe aneinandergerät und nicht daneben pinkelt. Praktisch und sorgenfrei ist das Leben, folgt man dem Pfeil, man kann sich eigentlich nirgendwo mehr verlaufen.

Es hat allerdings auch Nachteile, wir laufen auf einem dünnen Pfad, ein Schritt nach links, ein Schritt nach rechts und wir sind verloren, die Folgen des Danebentretens können tödlich sein. Deswegen schauen die Menschen konzentriert nach unten, besonders wenn sie sich in geschlossenen Räumen unterwegs sind. Sie suchen nach dem Pfeil. Leider haben die Markierungskapazitäten der Regierung für die ganze Bundesrepublik nicht ausgereicht. Immer wieder sehe ich unmarkierte Flächen, die eine Entscheidung abverlangen, wo soll ich hin?  Mehrmals habe ich gesehen wie Menschen plötzlich stehen blieben und sich umschauten, wo ist denn der Pfeil? In der Fußgängerzone sind die Pfeile bereits nach einigen Tagen kaum zu sehen, irgendein lustiger Graffiti -Künstler hatte grüne Pfeile auf die Hausfassaden gesprayt, extra um die Fußgänger zu verwirren. Bei uns in der Kaufhalle wurde der Boden mit grünen Pfeilen rund um die Regale markiert, die Menschen drehen sich im Kreis, wenn sie diesen Pfeilen folgen würden. Auch wenn sie schon alles gekauft haben, was sie brauchten, können sie die Kaufhalle nicht mehr verlassen. Das Pfeilsystem ist noch verbesserungswürdig und doch hat es etwas beruhigendes in sich. Ich bin mir sicher, sollte das Virus uns jemals verlassen, werden viele Hygienemaßnahmen mit ihm verschwinden, das sinnlose Händewaschen und Maskentragen werden der Vergangenheit angehören. Die Pfeile werden bleiben.  


Stimmen aus Belarus

Stimmen aus Belarus. 1.1K likes. Gemeinsam geben wir Menschen in der Republik Belarus auf Deutsch eine Stimme. Felix Ackermann, Nina Weller, Tina Wünschmann, Wanja Müller, Susanna Sophia Koltun &...

https://www.facebook.com/Belarusstimmen/

Kaminer Inside: Kultursommer mit Hindernissen

Kultursommer mit Hindernissen

https://www.3sat.de/kultur/kaminer-inside/kultursommer-mit-hindernissen-100.html

Mein Buch Rotkäppchen raucht auf dem Balkon ist auf Platz 11 der Spiegelliste

Und am Samstag beginnt die Lesereise an der Ostsee trotz Corona!

29.08.20 – Zinnowitz

30.08.20 Heringsdorf

31.08.20 Anklam

01.09.20 Putbus

02.09.20 Sellin   https://www.facebook.com/cliff.hotel.ruegen/?view_public_for=114624048596611

03.09.20 Zingst

04.09.20 Graal Müritz


Für die meisten Berufe muss man viele Jahre lernen, es gibt aber auch welche, die einem in die Wiege gelegt werden. Mein Landsmann Alexander Karlischew arbeitet in Moskau als Doppelgänger von Lenin auf dem Roten Platz. Jeder Tourist kann vor dem Mausoleum für kleines Geld ein Foto mit ihm machen, ein Selfie. Alexander sieht dem Lenin sehr ähnlich aus, er trägt den gleichen Anzug wie der Anführer des Weltproletariats. In der Hand hält er bei der Arbeit die Zeitung „Prawda“ aus dem Jahr 1924, Lenins letztem Jahr. Alexander ist nicht der einzige Doppelgänger auf dem Platz. In der letzten Zeit hatten sie wenig zu tun, wegen Korona. Jetzt kommen wieder langsam Touristen ins Land, sogar die Chinesen kommen. Und sie lieben Lenin. Das wollte Alexander feiern, hat mit einem Kollegen, dem Doppelgänger von Stalin ein wenig zu doll getrunken und ist auf dem grünen Gras vor der Kremlmauer eingeschlafen. Dort wurde er von einer Gruppe chinesischer Touristen entdeckt. Sie haben ihn sorgsam aufgehoben, zurück zum Mausoleum gebracht und wollten ihn hineintragen.

Der diensthabende Offizier staunte nicht schlecht, als er Alexander sah. Er hat sogar kurz im Mausoleum nachgeschaut, ob das Original vielleicht fehlt. Es war aber alles da. Der Offizier konnte kein Chinesisch, er zeigte mit der Hand, sie hätten schon einen drin. Darauf meinten die Chinesen, da wo Platz für den einen ist, wird es auch für den zweiten Platz geben. Der Kommandant nickte einfach und meinte er nehme den Zweitlenin in eigener Verantwortung zu sich.

Die Chinesen legten Lenin vor dem Mausoleum ab und liefen fröhlich weiter, Aufgabe erfüllt! Nach einigen Minuten kam der Doppelgänger wieder zu sich und ging auch.