Wladimir Kaminer

Mit großem Interesse lauschten meine russischen Freunde der Radioreportage über den Abzug der letzten deutschen Soldaten aus Afghanistan. Die Verteidigungsministerin erklärte, dies sei ein beispielloser logistischer Aufwand, die ganze Hundertschaft gleichzeitig in die Heimat fliegen zu lassen. Viele Fragen blieben ungelöst. Was nehmen wir mit, was lassen wir da. Und vor allem, was machen wir mit den Duschkabinen? Soll man sie mitnehmen oder an die afghanische Bevölkerung zu angemessenen Preisen verkaufen? Die Nachfrage, bezüglich der Duschkabinen ist in Afghanistan ungeklärt.

 Unsere Heimat, die Sowjetunion war 1979 nach Afghanistan ein und 10 Jahre später wieder raus marschiert. Zu der Zeit gab es noch keine Duschkabinen, die Armee hatte dafür „Banjas“ gebaut, mobile Badehäuser aus einem umgebauten Soldatenzelt für 24 Personen und einer 2000 Liter Zisterne auf Rädern.

Nach dem Abzug wurden diese Badehäuser großzügig den Afghanen überlassen, es gibt keine Belege dafür, dass sie diese Badezelte jemals benutzt haben. Es wäre ein phantastisches Denkmal für das Scheitern der Aufklärung, wenn die deutschen Duschkabinen ebenfalls in der Wüste stehen blieben, neben den russischen Banja - Zelten in einer Reihe aufgestellt. Jahrzehnte lang hatten wir versucht, das stolze Bergvolk aufzuklären, das sozialistische Lager umarmte das Land zehn Jahre lang, die kapitalistische freie Welt hatte sich 18 Jahre Zeit genommen, ergebnislos. Das Einzige, was von dieser Anstrengung übrigblieb, ist ein Haufen Duschkabinen im Sand. Die Ziegen und Schafe, die in der Nähe weiden, werden Spaß daran haben. Sollten eines Tages die Außerirdischen mit einem interplanetarischen Rettungsmandat in Afghanistan landen, könnten diese Duschkabinen ihnen als Mahnzeichen dienen, vorausgesetzt die Außerirdischen werden nicht so naiv und eingebildet wie die Menschen sein.


Die Kreuzfahrer

Ein Kreuzfahrtschiff ist eine ganz eigene Welt. Der Reisende betritt eine schwimmende Oase des Glücks mit Bar, Tanzabenden und dem reibungslosen Übergang von einer Mahlzeit zur nächsten. Und natürlich mit jeder Menge neuer Bekanntschaften. Aber auch an Land gibt es viel zu entdecken: von Putin-Schokolade in St. Petersburg, über falsche Götter auf der Akropolis bis zu verrückten karibischen Taxifahrern. Und wer könnte schöner davon erzählen als Wladimir Kaminer, Kreuzfahrer aus Leidenschaft? 

Taschenbuch | 224 Seiten | Januar 2020 | ISBN: 978-3-442-48980-0

Armee
13:15
Bahnhof Lichtenberg
5:50
Berlin
3:25
Berliner Aberglaube
3:27
Berliner Dialekt
4:32
Blut auf der Schönhauser Allee
4:31
Boney M
4:53
Boom, Baby Boom
5:10
Bücher aus dem Container
5:11
Chartuscho
7:31
Das Leben ist Bewegung
4:41
Das syreralistische Komitee zur Rettung der Welt
8:29
Dein Schatz, mein Schatz
3:44
Der Enkel des Partisanen
7:49
Der Fahneneid
9:03
Der Flaschenfisch
4:35
Der Kremlweihnachtsmann
7:26
Der Kühlschrank meiner Schwiegermutter
7:55
Der Russe lacht nicht
10:25
Der siebte Tibeter
4:29
Der Sinn des Eisfisches
7:40
Der Traumfänger
7:40
Dicke Sterne
13:36
Die Cottbuser Zukunft
6:51
Die Gender-Theorie und ihre Präsenz im Alltag
14:22
Die Helden des vorigen Jahrhunderts
7:48
Die Karottendiät
6:02
Die Läuse der Freiheit
5:56
Die Sprachkompetenz
5:04
Die Syrer packen aus
6:11
Die Telebrücke
5:42
Die Wassermelonenzeit
5:32
Döndü
4:03
Echte Russen
5:48
Ein Haus am See
9:01
Eintausend Chinesen
6:25
Epilog
2:37
Europas besserer Teil
21:01
Gagarin
4:34
Geologen
8:30
Gespräche über die Ewigkeit
4:10
Hölderlin und Hoffmann
9:15
Ich bin kein Berliner
8:06
Kafka, Konsalik und ich
4:32
Karl Friedrich
5:30
Kleine Schnecke
8:14
Kottbusser Lamm
8:23
Krim
11:37
LaGeSo
6:14
Lass uns Rennen, lass uns Reiten
14:00
Meine Frau und der Marder
9:00
Menschenrechte
3:39
Nachwort
2:36
Neue Heimat
9:35
Pheromone
4:33
Projektwoche Flüchtlingshilfe
7:12
Quittenschnaps Weikersheim
8:31
Schlechte Vorbilder
6:34
Schöne Frau, alles gut
7:22
Schröders Ruh
6:53
Schwiegermutter
4:55
Syrer in der Traumfabrik
13:58
Tolstois Bart
5:08
Tschechows Schuhe
9:29
Unbekannte fliegende Objekte
5:27
Unerwarteter Besuch
8:17
Väter und Söhne
8:36
Vegetarier an der Bushaltestelle
10:29
Verfehltes Paris
9:36
Weinanbau im Nordkaukasus
4:36
Wettbewerb
7:11