Wladimir Kaminer

Immer mehr Stimmen höre ich sagen, diese Pandemie sei ein willkommener Anlass, unsere Gesellschaft endlich ein Stuck weiter in Richtung rationale positive Lebenswahrnehmung zu rücken, ohne des ständigen Herumreisens, ohne Partys und Alkohol, ohne Silvesterfeuerwerk und ohne Massenveranstaltungen, die nur Müll und Lärm produzieren und uns von wirklich guten Dingen ablenken. Das Leben könnte so schön sein: früh aufzustehen, Yoga machen, schuften gehen, bei veganem Markt Würste aus Pappe kaufen und zeitig ins Bett springen. Was will man mehr?Wie wird er also sein, der positive Held der Zukunft? Je dunkler der Winter umso deutlicher sehe ich ihn kommen. Ich habe ein trainiertes Auge dafür. In meiner sozialistischen Heimat mussten wir, Schüler im Literaturunterricht, in jedem Märchen und jeder Fabel sofort den „positiven Helden“ erkennen, der sich ethisch und moralisch verhält, egal wie schlimm die Lage sei. Bei einem Aufsatz „Der positive Held in den Fabeln von La Fontaine“ zog ein Schuler einmal ein schweres Los, die Fabel „Der Raabe und der Fuchs“:  Herr Rabe auf dem Baume hockt/Im Schnabel einen Käs.Herr Fuchs, vom Dufte angelockt/Ruft seinem Witz gemäß…Der Schuler schrieb, in dieser Fabel sei der Käse der positive Held.Der Raabe kann es ja nicht sein, er ist dumm und egoistisch und auch noch ein Dieb. Der Fuchs ist ein verlogener Heuchler, es bleibt nur der Käse übrig. Der Käse sieht gut aus und tut keinem weh. Alle lieben ihn. Alle finden ihn gut. Die Lehrerin hatte dem jungen Philosophen am Rand seines Aufsatzes geschrieben, der sei selbst dumm wie Brot. Wenn ich heute darüber nachdenke, der Junge hatte Recht. Wir sind gerade dabei uns als eine perfekte Käsegesellschaft zu etablieren. Ohne Knallerei.


Die Kreuzfahrer

Ein Kreuzfahrtschiff ist eine ganz eigene Welt. Der Reisende betritt eine schwimmende Oase des Glücks mit Bar, Tanzabenden und dem reibungslosen Übergang von einer Mahlzeit zur nächsten. Und natürlich mit jeder Menge neuer Bekanntschaften. Aber auch an Land gibt es viel zu entdecken: von Putin-Schokolade in St. Petersburg, über falsche Götter auf der Akropolis bis zu verrückten karibischen Taxifahrern. Und wer könnte schöner davon erzählen als Wladimir Kaminer, Kreuzfahrer aus Leidenschaft? 

Taschenbuch | 224 Seiten | Januar 2020 | ISBN: 978-3-442-48980-0

Armee
13:15
Bahnhof Lichtenberg
5:50
Berlin
3:25
Berliner Aberglaube
3:27
Berliner Dialekt
4:32
Blut auf der Schönhauser Allee
4:31
Boney M
4:53
Boom, Baby Boom
5:10
Bücher aus dem Container
5:11
Chartuscho
7:31
Das Leben ist Bewegung
4:41
Das syreralistische Komitee zur Rettung der Welt
8:29
Dein Schatz, mein Schatz
3:44
Der Enkel des Partisanen
7:49
Der Fahneneid
9:03
Der Flaschenfisch
4:35
Der Kremlweihnachtsmann
7:26
Der Kühlschrank meiner Schwiegermutter
7:55
Der Russe lacht nicht
10:25
Der siebte Tibeter
4:29
Der Sinn des Eisfisches
7:40
Der Traumfänger
7:40
Dicke Sterne
13:36
Die Cottbuser Zukunft
6:51
Die Gender-Theorie und ihre Präsenz im Alltag
14:22
Die Helden des vorigen Jahrhunderts
7:48
Die Karottendiät
6:02
Die Läuse der Freiheit
5:56
Die Sprachkompetenz
5:04
Die Syrer packen aus
6:11
Die Telebrücke
5:42
Die Wassermelonenzeit
5:32
Döndü
4:03
Echte Russen
5:48
Ein Haus am See
9:01
Eintausend Chinesen
6:25
Epilog
2:37
Europas besserer Teil
21:01
Gagarin
4:34
Geologen
8:30
Gespräche über die Ewigkeit
4:10
Hölderlin und Hoffmann
9:15
Ich bin kein Berliner
8:06
Kafka, Konsalik und ich
4:32
Karl Friedrich
5:30
Kleine Schnecke
8:14
Kottbusser Lamm
8:23
Krim
11:37
LaGeSo
6:14
Lass uns Rennen, lass uns Reiten
14:00
Meine Frau und der Marder
9:00
Menschenrechte
3:39
Nachwort
2:36
Neue Heimat
9:35
Pheromone
4:33
Projektwoche Flüchtlingshilfe
7:12
Quittenschnaps Weikersheim
8:31
Schlechte Vorbilder
6:34
Schöne Frau, alles gut
7:22
Schröders Ruh
6:53
Schwiegermutter
4:55
Syrer in der Traumfabrik
13:58
Tolstois Bart
5:08
Tschechows Schuhe
9:29
Unbekannte fliegende Objekte
5:27
Unerwarteter Besuch
8:17
Väter und Söhne
8:36
Vegetarier an der Bushaltestelle
10:29
Verfehltes Paris
9:36
Weinanbau im Nordkaukasus
4:36
Wettbewerb
7:11