Wladimir Kaminer

ich habe für RAMP Style über Mode geschrieben. Hier ein kleiner Auszug: Jugendmode in der SU


Wir, Jugendlichen wollten nicht vom Staat angekleidet werden, wir entwickelten unsere eigene Mode, es war die Mode des Protestes, des Widerstandes gegen unsere Aufpasser. Manche hatten Glück, ihre Eltern hatten Geld, sie konnten sich auf dem schwarzen Markt ausländische Klamotten besorgen, andere machten ihre Mode in eigener Herstellung. Es gab bei uns nämlich feine Stoffe zu finden, zum Beispiel Seide. Fallschirmseide. Ein Freund von mir hatte sich in den Verein der jungen Fallschirmspringer eingeschrieben, das galt als eine wichtige Etappe bei der Vorbereitung zum Militärdienst. Dort auf dem Flugplatz Wnukowo war es ihm gelungen, einen Fallschirm zu entwenden. Diesen Fallschirm zerlegte mein Freund Zuhause in viele Teile und nähte daraus die feinste Frauenwäsche, Strings, Tangas und Bikini-Slips. Die Frauenunterwäsche gab es nicht im freien Angebot, zumindest nicht eine solche großartige aus Seide. Aus einem einzigen Fallschirm konnte mein Freund mehrere hundert Frauen glücklich machen und ist am Ende des Fallschirms so reich, wie ein arabischer Scheich geworden. Meine damalige Freundin hatte eine noch clevere Idee. Jedes Jahr zu großen sozialistischen Feiertagen wurden an allen Hausfassaden große rote Fahnen mit goldenem Hammer und Sichel angebracht, an machen Wohnhäusern wehten sogar zwei Fahnen an beiden Ecken, gar nicht weit oben. Es bedarf nicht einmal einer Leiter, um eine solche Fahne zu stehlen. Man brauchte nur Mut und Courage, das hatte meine damalige Freundin im Übermaß. Nachts ging sie auf Fahnenjagd. Aus zwei rot-goldenen Fahnen nähte sie sich ein schickes Kleid. Ich trug die ganze Zeit deutsche Klamotten.  Die beste Freundin meiner Mutter hatte einen Deutschen geheiratet, war mit ihm nach Deutschland gegangen und zwei Jungs bekommen, die sehr schnell wuchsen. Beide waren zwei Jahre älter als ich, einer etwas größer als der andere, ich wuchs ihnen ständig nach und also bekamen wir regelmäßig die humanitäre Hilfe aus Deutschland, zuerst waren es Kindersachen, ich war der Einzige in meinem sowjetischen Kindergarten, der eine Lederhose trug, später kamen die coolen Jeans, lange müllsackähnliche Pullover, kurze Shirts und eine hellbraue Samtjacke, damals schwer in Mode.In diesen Klamotten sah ich immer anders aus als meine Klassenkameraden und bildete mir ein, ich sei nicht von hier, mein Platz auf dieser Welt sollte irgendwo anders sein, möglicherweise in Deutschland.


Die Kreuzfahrer

Ein Kreuzfahrtschiff ist eine ganz eigene Welt. Der Reisende betritt eine schwimmende Oase des Glücks mit Bar, Tanzabenden und dem reibungslosen Übergang von einer Mahlzeit zur nächsten. Und natürlich mit jeder Menge neuer Bekanntschaften. Aber auch an Land gibt es viel zu entdecken: von Putin-Schokolade in St. Petersburg, über falsche Götter auf der Akropolis bis zu verrückten karibischen Taxifahrern. Und wer könnte schöner davon erzählen als Wladimir Kaminer, Kreuzfahrer aus Leidenschaft? 

Taschenbuch | 224 Seiten | Januar 2020 | ISBN: 978-3-442-48980-0

Armee
13:15
Bahnhof Lichtenberg
5:50
Berlin
3:25
Berliner Aberglaube
3:27
Berliner Dialekt
4:32
Blut auf der Schönhauser Allee
4:31
Boney M
4:53
Boom, Baby Boom
5:10
Bücher aus dem Container
5:11
Chartuscho
7:31
Das Leben ist Bewegung
4:41
Das syreralistische Komitee zur Rettung der Welt
8:29
Dein Schatz, mein Schatz
3:44
Der Enkel des Partisanen
7:49
Der Fahneneid
9:03
Der Flaschenfisch
4:35
Der Kremlweihnachtsmann
7:26
Der Kühlschrank meiner Schwiegermutter
7:55
Der Russe lacht nicht
10:25
Der siebte Tibeter
4:29
Der Sinn des Eisfisches
7:40
Der Traumfänger
7:40
Dicke Sterne
13:36
Die Cottbuser Zukunft
6:51
Die Gender-Theorie und ihre Präsenz im Alltag
14:22
Die Helden des vorigen Jahrhunderts
7:48
Die Karottendiät
6:02
Die Läuse der Freiheit
5:56
Die Sprachkompetenz
5:04
Die Syrer packen aus
6:11
Die Telebrücke
5:42
Die Wassermelonenzeit
5:32
Döndü
4:03
Echte Russen
5:48
Ein Haus am See
9:01
Eintausend Chinesen
6:25
Epilog
2:37
Europas besserer Teil
21:01
Gagarin
4:34
Geologen
8:30
Gespräche über die Ewigkeit
4:10
Hölderlin und Hoffmann
9:15
Ich bin kein Berliner
8:06
Kafka, Konsalik und ich
4:32
Karl Friedrich
5:30
Kleine Schnecke
8:14
Kottbusser Lamm
8:23
Krim
11:37
LaGeSo
6:14
Lass uns Rennen, lass uns Reiten
14:00
Meine Frau und der Marder
9:00
Menschenrechte
3:39
Nachwort
2:36
Neue Heimat
9:35
Pheromone
4:33
Projektwoche Flüchtlingshilfe
7:12
Quittenschnaps Weikersheim
8:31
Schlechte Vorbilder
6:34
Schöne Frau, alles gut
7:22
Schröders Ruh
6:53
Schwiegermutter
4:55
Syrer in der Traumfabrik
13:58
Tolstois Bart
5:08
Tschechows Schuhe
9:29
Unbekannte fliegende Objekte
5:27
Unerwarteter Besuch
8:17
Väter und Söhne
8:36
Vegetarier an der Bushaltestelle
10:29
Verfehltes Paris
9:36
Weinanbau im Nordkaukasus
4:36
Wettbewerb
7:11